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Derbyfieber

Das kann jetzt etwas dauern. Ich warne nur vor.

Derbys haben ihren eigenen Reiz. Das ist uns seit der fußballerischen Früherziehung ebenso geläufig, wie die eigenen Gesetze des Pokals. Fußballspiele allein reichen eben nicht aus, um aus seichter, mal mehr, mal weniger hochwertiger Samstagnachmittagsunterhaltung einen waschechten Blockbuster zu machen. Es geht vielmehr um Emotionen, große Momente und Rivalität. Wer ein Derby gewinnt ist die Nummer 1… der Stadt, der Region, der Himmelsrichtung oder wessen auch immer. Es sind gerade diese Spiele, in denen es um mehr geht, als um Fußball. Trainer, Spieler und Vereinsfunktionäre wissen um die besondere Situation und kommen nicht umhin, sie in Interviews immer wieder zu betonen. Derbysiege werden gefeiert wie ein Titelgewinn, Niederlagen frustriert und zerknirscht zur Kenntnis genommen. Für die Fans steht die Bedeutung eines derartigen Duells ohnehin außer Frage. Was kann einem Erlebnisreisenden in Sachen Fußball schon schlimmeres widerfahren, als eine Niederlage beim Nachbarn? Und was gibt es schöneres, als die montäglich  langen Gesichter beim Anhang des Rivalen auf der Arbeit, während man selbst im „Derbysieger“-Shirt posiert? Der aktivere Teil des Anhangs befasst sich schon lange vorher mit der Materie und sorgt, so man ihn lässt, für ein unterm Strich doch meist sagenhaftes Ambiente – mehr oder weniger geschmackvolle Sticheleien aller Art inbegriffen. Auch den Medien kommen Derbys gelegen. Die Vorberichterstattung umfasst mitunter Wochen, in denen die Brisanz der anstehenden Begegnung nachvollzogen und analysiert wird.
Derbys sind, aus welcher Perspektive auch immer, ein gewisses Salz in der Suppe des fußballerischen Tagesgeschäfts.

Aus Sicht der für die Sicherheit im Stadion zuständigen Personen sind sie ebenso bedeutsam. Neben der fieberhaften Emotionalität sind es häufig deren Themen, die die Vorberichte und Prognosen prägen. Anreisewege, Alkoholverbote, Ordnungsdienst… wie viel Brisanz darf sein, ohne dass es gefährlich wird? Wie viel Rivalität ist geboten, um die herausragende Bedeutung des Augenblicks zu erhalten, bis sie in eben jene Randale umschlägt, vor der man sich im Vorfeld gefürchtet hat? Wenn Dortmund auf Schalke, Hannover auf Braunschweig oder Köln auf Gladbach trifft ist das mitunter ein schmaler Grat.

 

Das Rheinderby in Mönchengladbach

Die Begegnung des 1. FC Köln bei Borussia Mönchengladbach hat dies einmal mehr bewiesen. Es hat eine Weile gedauert, mir dazu eine Meinung zu bilden und wenn ich ehrlich bin, ist dieser Prozess nicht einmal ganz abgeschlossen. Zu viele wertende Betrachtungen habe ich gelesen und gesehen. Wer es noch einmal etwas nüchterner nachvollziehen möchte, mag die Beiträge der „Faszination Fankurve“ und des turus.net-Magazins zur Kenntnis nehmen. Ein bisschen Nüchternheit schadet ja nicht, wenn man die Vorfälle einordnen will, um Schlüsse daraus zu ziehen.

Vor Anpfiff und zu Beginn der zweiten Halbzeit wurden seitens der Gästefans also Pyrotechnik und Böller gezündet. Einiges davon flog durch die Gegend und aufs Spielfeld.

Geht gar nicht! Während man über das für und wieder von Pyrotechnik in Form bengalischer Fackeln meines Erachtens nach wie vor sehr wohl diskutieren kann, sieht es bei dem Wurf brennender Gegenstände schon deutlich anders aus. Bewusste Fahrlässigkeit ist das nicht mehr. Man wird annehmen können, dass jemand der derartiges in Richtung von Menschen wirft, auch wenn diese sich auf dem Platz befinden, Verletzungen billigend in Kauf nimmt und somit jedenfalls eine versuchte gefährliche Körperverletzung begeht. Sowas ist zu Recht strafbar und nicht umsonst selbst unter denen verpönt, die sich für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Pyrotechnik einsetzen.

Zudem haben in weiße Maleranzüge gekleidete, offenbar Kölner Fans nach dem späten Siegtreffer der Borussia den Platz durch ein Fluchttor betreten.

So ein „Platzsturm“ ist  mit Sicherheit auch kein großer Verdienst, wenngleich es sich bei näherer Betrachtung mehr um einen Windstoß denn einen ausgewachsenen Sturm gehandelt haben dürfte. In einem YouTube Video (das ohne die lästige Musik, dafür mit dem Kommentar des Kamerakindes) mag sich jeder nochmal selbst einen Eindruck davon verschaffen. Die weiß gekleideten Personen betreten den Platz meines Erachtens verhältnismäßig langsam und offenbar nicht in der Absicht, ernsthaft jemandem zu Leibe zu rücken. Recht schnell treten sie den Rückzug an, was dann allerdings nicht wirklich gelingt, da der Rückweg von der eingetroffenen Einsatzhundertschaft versperrt ist. Ob das nun seitens der Polizei taktisch brillant war, sei dahingestellt. Ein Hausfriedensbruch dürfte bei entsprechendem Strafantrag allein durch das Betreten des Platzes aber angenommen werden können.
Danach, so zeigt es das Video weiter, gibt es noch ein paar Schläge und Tritte gegen die „Platzstürmer“ zu sehen, die vom breiten Publikum ziemlich wohlwollend zur Kenntnis genommen werden. Die Bilanz der Ausschreitungen ist nicht ganz eindeutig. Verletzte gab es zum Glück wenige. Berichtet wurde von einem von Pfefferspray in Mitleidenschaft gezogenen Polizeibeamten. Festgenommen wurden zwei Personen.

 

Ist das ein Derbyproblem?

Die Vorfälle in Mönchengladbach wären ohne weiteres bei jedem anderen Fußballspiel ebenfalls möglich gewesen. Weder die geworfenen Pyros, noch das Betreten des Platzes sind gerechtfertigt und sie werden es auch nicht dadurch, dass es sich um ein besonders brisantes und emotionales Bundesligaduell handelt. Die Strafjustiz wird sich mit den Verdächtigen auseinanderzusetzen haben und es besteht kaum ein Zweifel, dass sie das auch tun wird.

Und dennoch kann der Aspekt des Derbys bei der Aufarbeitung des Tages und bei den zu ziehenden Rückschlüssen nicht unberücksichtigt bleiben. Sprach ich eingangs von starken Emotionen sind es oftmals gerade diese, die Menschen dazu bringen Grenzen zu überschreiten. Das gilt überall und es gilt im Fußball. Einerseits auf dem Platz, wenn wir etwa an rüde Frustfouls, wutentbrannt auf Schiedsrichter zustürmende Trainer, oder ausgestreckte Mittelfinger in Richtung Publikum denken. Andererseits aber auch auf den Rängen. Bierbecherwürfe nach einer Fehlentscheidung oder einem Tor, aber auch ein sozial tolerierter Platzsturm, etwa nach einem Aufstieg, mögen hier Beispiele sein.  Wenn die Rationalität überwunden ist, bleibt oftmals kein Raum mehr für nüchterne Argumente. Dann regiert die Emotion. Das sollte natürlich nicht zu Straftaten führen und – hier wiederhole ich mich – es macht diese weder ungeschehen, noch führt es zur Rechtfertigung. Die Brisanz eines Lokalderbys hilft aber dennoch bei der Einordnung, wenn man zumindest zu akzeptieren bereit ist, dass es auch die Besonderheit der Begegnung gewesen sein mag, die den einen oder anderen dazu verleitet hat, sich auf diese Weise auszuleben. Wie z.B. ein sehr lesenswertes Interview mit dem Historiker Rudolf Oswald auf Spiegel Online aus dem Jahre 2012 belegt, der sich mit den Fußballkrawallen der 1920er Jahre beschäftigt, ist diese Erkenntnis nicht einmal neu.

Hinzu tritt, dass alles, was bei diesem Spiel geschah (oder auch geschehen wäre), in der öffentlichen Wahrnehmung ohnehin auf überaus fruchtbaren Boden fallen musste. Die Rivalität der Vereine, der wenig rosige Ruf des Kölner Anhangs und die im Vorfeld geäußerten Sicherheitsbedenken ließen eine Erwartungshaltung entstehen, die die Vorfälle retrospektiv vielleicht absehbar erscheinen lassen. Schon in der Hinrunde hatte es in Köln gekracht, worauf in den Tagen vor dem Spiel gern nochmals hingewiesen wurde. Die zeitliche Ansetzung der Begegnung war vielleicht auch nicht unbedingt eine Meisterleistung, die „Sorge vor maskierten Hooligans“ aufgrund der Schwierigkeiten mit dem Vermummungsverbot zu Karneval immerhin Thema.

Wer hat sich angesichts dessen nicht gefragt, ob es bei diesem Derby friedlich bleiben würde, ja überhaupt friedlich bleiben konnte?

Dass es das nicht tat, bestätigt nun die Befürchtungen und führt zu einer schier unüberschaubaren Vielzahl von Medienberichten und Nachbetrachtungen, die sich einzig auf das Verhalten der Kölner Fans fokussieren. Längst nicht alles, was da geschrieben wurde, war in Ordnung. Und ebenso wenig hat all das unmittelbar mit der Situation eines Derbys zu tun. Der Reiz eines Derbys liegt aber auch immer in dem eingangs beschriebenen schmalen Grat und der Sensationsgier seiner Zuschauer. Wer daran zweifelt, mag sich vielleicht nochmal das Video ansehen. Eine Momentaufnahme, zweifellos. Wie aber sollen die „Auf die Fresse“ Rufe und das stumpfe Gejohle des Herrn mit der Kamera und seines näheren Umfeldes ob den beobachteten Schlägen sonst zu erklären sein? Medien verstehen es dann natürlich, diese Sensationsgier zu befriedigen.

Ohne die Vorfälle hätte man sich vermutlich längere Zeit mit dem turbulenten Spielausgang beschäftigt. In Sachen Sicherheit hätte man vielleicht noch erwähnen können, dass die Anreise der rivalisierenden Fangruppen – offenbar anders als sonst – weitestgehend friedlich verlief. Das ist auch jetzt  noch richtig. Die Mitteilung wird aber erst dadurch erwähnenswert, dass sie der Polizei gerade wegen ihrer Friedlichkeit in der Nachbetrachtung bereits verdächtig vorkam und sich so in die „Chronologie der Schande von Mönchengladbach“ einreiht. Aussagen des Gladbacher Sportdirektors Eberl wie „dann sind solche Tiere schwer zu bändigen“, die er so oder so ähnlich angesichts der Situation direkt gegenüber der ARD äußerte,  schaffen es immerhin zur Überschrift. Der ansonsten übliche Duktus von Chaoten, Idioten und Fußballzerstörern kommt selbstverständlich auch nicht zu kurz. Von Spielern, die angsterfüllt in die Kabinen flüchten ist die Rede, auch wenn das o.g. Video das vielleicht nicht unbedingt bestätigt. Man konnte zuweilen den Eindruck gewinnen, die Bedenken im Vorfeld haben sich in einer selbsterfüllten Prophezeiung manifestiert, nach der Mönchengladbach in Chaos und Anarchie versunken wäre.

Ich weiß nicht, ob das je anders war. Sensationen verkaufen sich eben und wenn ein Fieber erst ausbricht, wird es auch für eine Weile hitzig. Die fiebrigen Reaktionen ändern auch nichts an dem zurückzuweisenden Fehlverhalten handelnder Personen. Sie sollten aber nicht auch noch dazu führen, im Eifer des Gefechts nicht minder hitzige Rückschlüsse und Konsequenzen zu ziehen. Dass jedoch genau das jetzt geschieht, ist bedauerlich.

 

Die „Lehren“ aus Mönchengladbach

FC Präsident Spinner wünschte sich erst letzte Woche einen anderen Umgang seitens des DFB mit Ultras. Er legte den Finger ziemlich nah an die Wunde und beklagte eine Spirale der Eskalation, die das Problem nicht lösen würde. Nunmehr, nach Gladbach, greift sein Verein zum Kollektivverdacht. Er veröffentlicht Bilder, auf denen sich auch unverkleidete Fans befinden mit dem Hinweis auf vereinsschädigendes Verhalten. Er schließt Gruppen aus und erklärt, sich mit „Leuten die Straftaten begehen“, nicht an einen Tisch setzen zu wollen. Der Verein führt seine kritischen Worte an den DFB sogar als Argument dafür an, dass die ausgeschrittenen vom letzten Wochenende ihm einen Bärendienst erwiesen hätten. Man könnte diese Wendung durchaus als Inkonsequenz oder zumindest als Umkehr bezeichnen. Andererseits wäre eine solche bei Herrn Spinner, der trotzdem weiterhin am Dialog festhalten will, noch am ehesten nachvollziehbar. Der Domstadtclub ist zweifelsohne hart in die Kritik geraten. Das Verbandsstrafenkonstrukt des DFB nährt die Befürchtung eines Zusachauerteilausschlusses in naher Zukunft. Es müssen schon deshalb Reaktionen her, um den DFB möglichst milde zu stimmen und den Verein bestmöglich zu schützen.

Andere aber stoßen in dasselbe Horn. Die Rheinische Post hat sich im Ausland umgesehen und schlägt eine ganze Reihe von Maßnahmen vor, um künftigen Übergriffen Herr zu werden. Von personalisierten Tickets, über Stehplatzverbote und Sicherheitsschleusen, bis hin zum Verbot von Auswärtsfahrten wird da einiges genannt. Der DFB findet offenbar besonderen Gefallen an letzterem, bislang aber keine Zustimmung bei der DFL.

Die unter dem Eindruck des Derbys vorgeschlagenen und erwogenen Maßnahmen haben zwei Dinge gemeinsam. Zum einen sind Zweifel an der Wirksamkeit durchaus angebracht. In einer Menge von mehreren 1000 Menschen wird man Strafbarkeiten schlicht nicht ausschließen können. Die Beispiele aus dem Ausland und deren Praxis zeigen auch, dass es trotz individualisierten Tickets, reinen Sitzplatzstadien und einem Mehr an Kontrolle zu ähnlichen Vorfällen kommt. Selbst das verbandsrechtliche Verbot von Auswärtsfahrten führt mitunter einzig zu einer Verlagerung auf andere Bereiche außerhalb des Stadions.

Zum anderen richten sich die Maßnahmen kollektiv gegen alle Fußballfans. Sind Vorfälle wie beim Rheinderby das Wert? Da scheinen sich die Vorschlagenden auch nicht immer ganz sicher zu sein. Betrachtet man deren Aussagen genauer kommt man nicht umhin festzustellen, dass sie ihre Vorschläge letztlich damit zu rechtfertigen versuchen, dass die herbeigesehnte Selbstregulierung in den Kurven einfach nicht einsetzen will. So träfe es dann schlussendlich immer den Richtigen. Den, der ausschreitet und den, der den ausschreitenden nicht reguliert. Wie genau er das nun aber tun soll bleibt unklar. Bleiben wir diesbezüglich doch noch einmal beim Derby in Mönchengladbach und dem veröffentlichten Blockfoto. „Diese Leute schaden dem FC“ war darüber zu lesen. Längst nicht alle davon waren verkleidet, betraten den Rasen oder warfen mit Pyrotechnik. Was genau hätte ein x-beliebiger Zuschauer aus dem Block denn nun konkret unternehmen soll, wenn er sieht, dass andere das Spielfeld betreten. Soll er ernsthaft hinterherrennen und diese zurückholen oder reicht pfeifen? Und was wenn es ihm schlicht egal ist und er sich lieber über die Niederlage ärgert? Ist er dann ein schlechterer Fan und deshalb zu sanktionieren? Auch wenn er sich gar nicht in dem Block, sondern im Sitzplatzbereich oder gar in einer Loge aufhält? Wie soll eine Kurve sich in einer Weise selbst regulieren, die jedwedes Fehlverhalten von vorne herein ausschließt?

So einfach ist es nicht. Die von Spinner in der vergangenen Woche als Problem genannten Punkte sind immer noch richtig. Kollektivmaßnahmen und mangelnder Dialog werden die angenommene Spirale weiter drehen. Auch nach Gladbach. Es gibt keinen Kodex, wonach sich jemand, der Verbotenes zu tun gedenkt zurückhält, weil der Vereinspräsident einen richtigen Ansatz beim DFB artikuliert. Es gibt auch kein kriminelles Kollektiv, welches sich ohne Weiteres im Rahmen einer mysteriösen Selbstregulierung von den wahren Fans separieren lassen würde. Selbstverständlich waren es Fußballfans, die auf den Platz traten, Raketen schossen und dafür zumindest in einem Fall unter Verzückung der Masse anderer Fans verprügelt wurden. Warum auch nicht? Die Mär von den Chaoten und Krawallschlägern, die mit Fußball nichts zu tun haben und nur für die Randale leben, sich aber dennoch offenbar Dauerkarten besorgen und einen erheblichen Teil ihrer Freizeit darauf verwenden, dem Verein Liga für Liga hinterherzugurken ist doch bei Lichte betrachtet durchschaubarer Unsinn.

Selbstverständlich begehen Fußballfans Straftaten. Wie jede andere Personengruppe auch. Und wie in jeder anderen Situation sind diese aufzuklären, anzuklagen und zu bestrafen. Dass es darüber hinaus auch Sicherheitsvorkehrungen bedarf ist unstreitig und dass ein Verein überführte Straftäter ebenso konsequent missbilligt und zur Verantwortung zieht, ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Der Erfolg von Regeln und Maßnahmen setzt aber immer auch eine gewisse Akzeptanz im Kreis ihrer Adressaten voraus. Diese wiederum nicht zuletzt die nüchterne Erkenntnis, dass sie notwendig und sinnvoll sind.

Maßnahmen gegen die unbescholtene Mehrheit aller Fußballfans sind das nicht. Es besteht kein Grund Gespräche abzubrechen und nun wieder einmal in Verallgemeinerungen zu verfallen. Deshalb hat Herr Spinner auch heute noch Recht, wenn er trotz des vielleicht kritikwürdigen Vorgehens gegen die „Boyz“ weiter grundsätzlich an dem Dialog festhalten möchte. Er ist für eine lebendige Stadionkultur alternativlos, sofern man sich nicht unbedingt hannoversche Verhältnisse wünscht. Auch das kann man natürlich tun. Dann wären es am Ende aber nicht mehr allein diffuse Chaoten, die „den Fußball“ in seiner jetzigen Form zerstörten. Diejenigen, die die Gesamtheit aller Fußballfans in Geiselhaft nehmen wollen, um eine Sicherheit zu erreichen, die es de facto gar nicht geben kann, könnten sich denselben Schuh anziehen.

Wenn es eine Lehre aus Mönchengladbach gibt, dann vielleicht die, dass es sinnvoll ist, auch angesichts eines hitzigen Derbys einen kühlen Kopf zu bewahren und sich an die Aufarbeitung der Vorfälle zu begeben. Das gilt für die (organisierte) Fanszene des 1.FC Köln ebenso, wie für Polizei, Ordnungsdienst und Vereinsvertreter. Erst danach, so scheint es, wird ein zielführender Diskurs über künftige Lösungsansätze möglich sein. Eine Verhinderung sämtlicher Straftaten bereits im Vorfeld wird es allerdings auch dann nicht geben. Das war schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht anders und es wird auch in 100 Jahren noch so sein. Absolute Sicherheit ist in einer freien Gesellschaft generell  nicht möglich. Ich denke man sollte sich deshalb gut überlegen, wie viel davon man bei dem Versuch sie trotzdem zu erreichen aufgeben möchte. Nicht nur, aber eben auch im Mikrokosmos Stadion.

 

Nachsatz:

Kurz vor Veröffentlichung des Beitrags bin ich auf den Vorschlag eines neuen Straftatbestandes aufmerksam geworden. Der Vorschlag stammt vom von Dr. Jan Orth, LL.M. Diesen Vorschlag hier mit einzuarbeiten, hätte den Rahmen endgültig gesprengt. Ich halte ihn nach erster Durchsicht für diskutabel, im Ergebnis aber für wenig überzeugend, werde ihn mir aber genauer ansehen und demnächst darauf zurückkommen.

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